Der zweite Quartalsbericht

Namaskar!

Nun ist es bereits Mitte Februar und ich kann es jetzt noch weniger glauben, dass ein halbes Jahr schon vergangen ist. Es kommt mir vor als hätte ich meinen ersten Quartalsbericht erst vor einem Monat geschrieben und nicht schon vor drei Monaten. Wo bleibt denn bitte die Zeit? Eine plausible Erklärung weshalb die Zeit so an mir vorbei rennt mag vielleicht sein, dass ich mich in meinem Ort und meiner Umgebung in Padhar sehr wohl fühle.

Ich werde in diesem Quartalsbericht ein wenig anders vorrangehen als im Vorherigen. Ich habe euch im ersten Bericht einen groben Überblick von meinem Alltag in Padhar schildern können und nun möchte ich euch, in diesem Bericht bestimmte, für mich sehr prägende Aspekte und Ereignisse näher bringen.

Fangen wir mit einem Punkt an, den ich auch in meinem vorherigen Bericht angesprochen habe. Die Happy Valley School. Ich bin bis heute noch in der Schule tätig und versuche dort zu unterrichten. Die Probleme die ich zuvor erwähnt habe, bestehen immer noch und mein Vorschlag, eine Art Förderunterricht zu gründen, wurde leider von der Schulleiterin abgelehnt. Nun habe ich mich vor einiger Zeit an meine Mentorin gewandt, um mit ihr über meine Lage in der Schule zu sprechen und dass ich mich dort wirklich nicht mehr wohl fühle. Sie konnte dies gut nachvollziehen und schaut jetzt wo ich als nächstes eingesetzt werden kann. Ich habe selbst ein paar Vorschläge mit eingebracht, was ich machen könnte und eine davon war, dass ich eine Art „ Bastel und Malwerkstatt für Krankenhauspatienten“ errichten möchte. Ich werde nun versuchen diese Idee weiter auszubauen und dann meiner Mentorin mein Projekt präsentiere.

Als Nächstes gehe ich auf mein Wohlfühlsein in Padhar ein. Ich beziehe mich nun extra nur auf Padhar und nicht ganz Indien, da Padhar ein kleiner Ort ist und die Menschen mich dort auch so langsam kennen. Dies kann ich nun nicht über ganz Indien behaupten.

Als Erstes möchte ich bei diesem Thema, auf die seltsamen Blicke eingehen, über die ich auch schon in meinem vorherigen Bericht gesprochen habe. Es ist und bleibt einfach ein unangenehmes Gefühl, diese Blicke immer wieder auf sich spüren zu müssen, jedoch kann Niemand verboten werden mich anzuschauen. Wenn es mir dann manchmal etwas zu viel wird, spreche ich die jeweiligen Personen höflich an. Eine weitere Methode, die auch hilfreich ist, ist einfach anzufangen zu grinsen oder eine Grimasse ziehen. Schlussendlich muss man selbst darüber lachen und die Blicke ist man dann auch schnell los. Dies ist meines Erachtens eine nicht allzu unhöfliche Art damit umzugehen. Abgesehen dieser Blicke, fühle ich mich hier sehr wohl. Ich habe jetzt endlich das Gefühl als sei ich hier nun richtig angekommen. Eine große Rolle in all dem spielt meine Art Gastfamilie, die für mich eine zweite Familie geworden ist, die immer für mich da ist auch wenn ich sie nicht jeden Tag zu sehen bekomme. Obwohl ich nicht bei ihnen wohne, passen sie auf mich auf wie eines ihrer eigenen Kinder. An Wochenenden unternehmen wir dann auch ab zu Etwas miteinander. Beispielsweise sind meine Mentorin, ihr Mann und ich vor Weihnachten für ein Wochenende nach Nagpur, zu Schwester von Mann meiner Mentorin, gefahren. Dort sind wir dann auch noch auf andere Familienmitglieder getroffen. Ein anderes Mal sind wir mit der Familie, an einem Sonntag, einen kleinen Berg hochgewandert. Der Mann meiner Mentorin, sein Bruder und ich hatten uns davor noch dazu entschieden die Fahrt zum Berg (33 km) mit dem Fahrrad anzutreten, während die anderen mit dem Bus hinfuhren. Ein wirklich schönes Erlebnis. Dann kam die Weihnachtszeit, die wir alle zusammen verbracht haben. Auf diese Zeit gehe ich später noch spezifischer ein. All diese erwähnten Punkte haben bewirkt, dass ich nun von mir behaupten kann, dass ich mich in Padhar sehr wohl und wie zuhause fühle.

Kommen wir jetzt zur Weihnachtszeit und Neujahr in Padhar. Wirklich angefangen hat die Weihnachtszeit für mich als im Krankenhaus die Vorbereitungen für die Weihnachtsprogramme anfingen. Alle Krankenhausmitarbeiter wurden in vier verschiedenen Gruppen eingeteilt, welche an zwei Abenden gegeneinander antreten mussten. Am ersten Abend des Weihnachtsprogrammes fand ein Gesangswettbewerb statt. Leider war es für mich nicht möglich diesen Abend wirklich zu genießen. Dies lag daran, dass mein Bruder wegen eines Infekts am Herzmuskel ins Krankenhaus musste und ich zu diesem Zeitpunkt nur noch nach Hause wollte, um ihn zu besuchen. Jedoch hat sich meine Stimmung dann spät am Abend wieder gebessert als meine Mutter nochmals anrief und mir sagte, dass Alles wieder ins Lot käme und dass mein Bruder in ein paar Tagen wieder nachhause dürfe. Zum Glück war er zudem im Krankenhaus auch in sehr guten Händen.

Der zweite Abend des Weihnachtsprogrammes, war der kulturelle Abend bestehend aus einen Tanz- und Sketchwettbewerb. Nach diesen zwei Abenden legte sich dann langsam wieder etwas mehr Ruhe über Padhar. Die Unruhe kam dann ab dem 20. Dezember wieder, als dann die ganzen Familienmitglieder meiner „Gastfamilie“ anreisten. Als dann das letzte Familienmitglied am 22. Dezember ankam, sind wir abends alle zusammen in den Dschungel für ein Barbecue gefahren. Am 23. Dezember hieß es dann für mich nochmal richtig, für ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk zu schuften. Ich hatte mich dazu entschieden ein selbstgebasteltes Monopoly Spiel zu schenken. Somit habe ich das, natürlich nur einmal auf der Welt verfügbare „Padhar-Opoly“ gebastelt.

Kommen wir nun zum 24. Dezember. An diesem Tag gab es morgens um ca. 10 Uhr einen englischen Gottesdienst. Am Abend war ich dann bei meiner Mentorin zuhause eingeladen, um mit der ganzen Familie, Weihnachten zu feiern. Als ich am Abend zu ihnen nach Hause kam, waren alle um den Fernseher herum versammelt. Es lief eine Debatte zwischen Hindus und Christen, über die Frage ob Weihnachten in Indien gefeiert werden solle oder nicht. In letzter Zeit nehmen die Debatten und Unruhen diesbezüglich zu. Es heißt aus der Sicht der Hindus, dass Weihnachten in Indien nicht gefeiert werden solle, da es ein christliches Fest ist und die Möglichkeit bestünde somit Hindus zum Christentum zu konvertieren. Naja nach dieser kleinen abendlichen Aufregung ging es weiter mit dem Weihnachtsmal, welches ein wenig anders als meine vorherigen war. Es war sehr indisch aber köstlich. Als dann alles fertig war wurde die Gitarre rausgeholt und wir haben alle zusammen Weihnachtslieder gesungen. Nachdem wir für ungefähr eine halbe Stunde gesungen haben, kam die Bescherung. Ich hatte ehrlich gesagt, nichts von irgendjemand erwartet und umso glücklicher war ich als ich auf einmal ein Päckchen bekam, auf dem mein Name stand. Am 25. gab es dann morgens nochmals einen Gottesdienst, der danach mit einem Familienfrühstück endete. Eine Tradition, die hier seit Jahren geführt wird, ist ein gemeinsames Mittagessen bei der Kirche. Dort ist Jeder Willkommen der gerne kommen möchte. Zwischen Weihnachten und Neujahr gab es dann Einiges zu unternehmen. Einen Tag haben wir dann sieben Stunden lang das „Padhar-Opoly“ gespielt. Abends gab es dann meistens immer ein Lagefeuer bzw. Barbecue mit der ganzen Familie. Ich muss zugeben, dass dieses Weihnachten wohl das schönste Weihnachten war, das ich je erlebt hatte, auch wenn meine Familie gefehlt hat. Nun nochmal kurz zu Neujahr: es war nichts Besonderes. Ich formuliere es gerne so, dass es für alles ein erstes Mal gibt und dieses Mal war es das erste Mal, dass ich in das neue Jahr reingeschlafen habe.

Führen wir nun mal meinen Bericht ein bisschen weiter fort mit einem anderen Thema, bei dem ich euch gerne up-to-date halten möchte. Ich habe schon in meinem vorherigen Bericht erwähnt, dass dieses Thema etwas kompliziert für mich ist, ich beziehe mich auf meine Bewegungsfreiheit.

Es hat sich an meiner Bewegungsfreiheit selbst nicht viel bzw. nichts geändert, jedoch habe ich seit dem Zwischenseminar festgestellt, dass ich noch recht viel Glück mit meinen Freiheiten habe. Ich habe das Glück, dass ich in einem Gästehaus wohne, wo ich selbst entscheiden kann was ich machen möchte. Damit meine ich beispielsweise: ich kann selbst entscheiden wann ich raus möchte, wen ich besuchen möchte, was ich zum Frühstück haben möchte oder wie lange ich draußen bleiben möchte. Selbstverständlich ist es empfehlenswert nicht zu lange abends draußen zu bleiben, was ich übrigens auch nicht mache, jedoch hätte ich die Freiheit so lange draußen zu bleiben wie ich möchte. Ein anderer Aspekt ist der Sport. Ich habe die Möglichkeit morgens vor der Arbeit in Padhar laufen zu gehen. Abends kann ich mit Personen von der Schule oder des Krankenhauses im alten Auditorium Badminton spielen gehen. Und wie ich schon einmal erwähnt habe, kann ich auch Fahrrad fahren. All dies hätten sich manch andere Freiwillige, die ich auf dem Zwischenseminar kennengelernt habe, auch gern gewünscht. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, was für ein Glück ich eigentlich hier habe.

Kurz zum nächsten Punkt „ das Zwischenseminar“ Es hat mich sehr gefreut andere Freiwillige aus Deutschland zu sehen, nicht nur die Freiwilligen vom ZMÖ, also Enno, Jenny und Hanna. Wir hatten jeder die Möglichkeit, unsere Einsatzstellen zu präsentieren und dabei unsere Gefühle zu beschreiben. Es war sehr interessant zu sehen wie verschieden sich jeder Einzelne fühlte. Manchen ging es die ganze Zeit sehr gut, andere hatten immer wieder up and downs und andere hatten sehr viele downs aber schlussendlich haben wir alle bemerkt, dass wir uns hier in Indien und unseren Einsatzstellen sehr wohl fühlen. Nun kurz zum Ablauf. Das Seminar fand täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr statt, mit Gruppen oder Einzelgesprächen mit der Seminarleiterin. Dann folgte das Abendbrot, mal sind wir dann noch ausgegangen und haben versucht Bangalore etwas zu erkunden und besser kennenzulernen. Mir persönlich hat das Seminar sehr gefallen, es gab keine Komplikationen abgesehen von meinem Umbuchen des Flugtickets.

Nun sitze ich grade in Kerala am Strand auf einer Liege und schreibe diesen Bericht zu Ende. Dass ich mich grade in Kerala befinde liegt daran, dass meine Eltern zu Besuch gekommen sind. Erst sind sie vom 01.02.18 bis zum 05.02.18 nach Padhar gekommen da ich gerne wollte, dass sie ein paar Impressionen von meinem Einsatzort bekommen. Ich habe sie mit ins Krankenhaus genommen, in die umliegenden Dörfer, zum Sonntagsgottesdienst etc… Am 05.02.18 ging es mit einer 17 stündigen Reise nach Kerala/Trivandrum. Dort bleiben wir nun bis zum 18.02.18 und verbringen zusammen etwas Zeit. Ich bin sehr froh und bereue es auch nicht, dass meine Eltern gekommen sind. Natürlich werde ich sie die ersten Wochen wieder etwas mehr vermissen, jedoch freue ich mich schon darauf wieder zurück in Padhar zu sein und dort Alle wiederzusehen.

Dies war nun mein zweiter Quartalsbericht und ich hoffe ich konnte euch einen neuen Eindruck über meine Einsatzstelle verleihen. Nun verabschiede ich mich wieder und freue mich schon euch neues zu Berichten wenn es zu meinem dritten Quartalsbericht kommt.

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